Testosteron – Fluch oder Segen?

Die Leichtathletik-Weltmeister- schaften in London sind Geschichte. Gelegenheit für eine Revanche unter den Athletinnen und Athleten bietet jeweils das prestigeträchtige Diamond-League-Meeting Weltklasse Zürich. Schon öfters wurden frisch erkorene Weltmeisterinnen und Weltmeister in Zürich von der Konkurrenz in die Schranken gewiesen. Nicht die 800m-Lauf-Überfliegerin Caster Semenya. Sie hatte dieses Jahr nichts zu fürchten. Locker überragend brachte sie den Sieg nach Hause und in diesem Zusammenhang gibt es wohl kaum ein traurigeres Thema in der Frauenleichtathletik als die Diskussionen um Intersexualität. Das bedeutet, dass eine Per- son nicht eindeutig als weiblich oder männlich eingeordnet werden kann. Semenya ist in den letzten Jahren Symbol dieser Thematik geworden. Aktuell starten rund ein Dutzend Athletinnen mit einer intersexuellen Konstellation.

Wenig überraschend ist die Tatsache, dass je höher der Testosteronspiegel einer Frau ist, desto grösser ist ihre Leistungsfähigkeit. Seit die Südafrika- nerin keine hormonsenkenden Präpara- te mehr einnehmen muss, ist sie wieder Königin auf den beiden Bahnrunden. Einige Athletinnen und natürlich auch andere Betroffene monieren, dass Frau- en mit solch hohen Werten nicht in der Damenkategorie starten dürfen, da es nicht fair sei.

Auf den ersten Blick bin ich einverstanden damit. Man muss aber ehrlicherweise auch zugeben, dass diverse andere Spitzensportlerinnen von Natur aus Vorteile mit sich bringen. So spielt die Körpergrösse bei etlichen Disziplinen eine gewinnbringende Rolle. Müsste man diese Athletinnen auch sperren? Kommt dazu, dass sich unter den Kritikerinnen diverse Frauen Leistungsvorteile verschafft haben – und das nicht gerade ehrenhaft. Einigen konnte Doping nachgewiesen werden und andere werden fast sicher noch überführt. Nun, «in dubio pro reo», wie man so schön sagt. Ich finde es tragisch, dass Menschen so krass öffentlich diskriminiert werden und über ihre intimsten Gegebenheiten Auskunft geben müssen. Wie erniedrigend ist es, wenn man gegenüber Medien gar erklären muss, in welcher Position man pinkelt?

Die Mutter von Semenya hat kürzlich gesagt: «Mein Kind ist ein Mädchen.» Die Athletin selber möchte einfach nur als Frau wahrgenommen werden und will niemand sein, der sie nicht sein will. Folglich möchte sie auch nicht hormonell behandelt werden. Das ist die menschliche Tragödie, die hinter den unglaublichen Leistungen einer Topathletin stehen. Nicht minder tragisch ist der Sachverhalt, dass sich weibliche Athletinnen mit einem sogenannt «normalen» Hormonhaushalt niemals in Wettkämpfen gegenüber Intersexuellen durchsetzen können, jedenfalls nicht in Disziplinen, in denen die Leistung stark von der Schnelligkeit abhängig ist.

Wem widerfährt mehr Unrecht? Wie löst der internationale Leichtathletikverband (IAAF) dieses Problem? Sport- pädagogin Marianne Meier hat kürzlich im «Bieler Tagblatt» dazu Stellung genommen und vertritt die Meinung, dass ein Verband ein solch komplexes Thema nicht im Alleingang angehen kann. Es müssen zwingend Fachpersonen, Betroffene, Sponsoren und Menschenrechtsorganisationen beigezogen werden. Ich teile ihre Meinung in diesem Bereich. Bis anhin hat die IAAF mindestens in allen menschlichen, ethischmoralischen Belangen kläglich versagt und war total überfordert. Sowohl gegenüber den Frauen mit natürlich überhöhten Testosteronwerten als auch gegenüber den Frauen mit Normhormonwerten.

Es wird schwierig, eine gerechte Lösung zu liefern und die Reglemente des Sports konnten es bis anhin nicht. Möglicherweise wird nun die Studie, welche beweist, dass erhöhte Testosteronwerte bei Frauen zu einer Leistungssteigerung beitragen, der Gradmesser. Als betroffene «Normathletin» wäre ich wohl froh und könnte endlich auf einen Titel hof- fen. Absolut katastrophal und eine menschliche Tragödie ist aber die Kehrseite der Medaille. Werden Frauen, welche von Natur aus einen hohen Testosteronwert haben, nun aus dem Spitzensport ausgeschlossen? Wäre dies richtig oder falsch?

Machtkampf in den Ferien

Eine Woche Sonne, Sand und Meer. Eigentlich bin ich fernab von den sportlichen Aktualitäten in der Schweiz und verfolge sie für eine Woche nur gelegentlich. Eine Ausnahme war der souveräne Sieg von «The Legend» Federer in Wimblendon. Das verpflichtet uns Schweizer Touristen natürlich auch beim lockeren Beach- Tennis am Strand zu variationsreichen Schlägen. Sie, liebe sportinteressierte Leserinnen und Leser, möchten von mir aber eine Meinung über ein aktuelles sportliches Ereignis oder Politikum lesen. Nun, das könnte sich als Knacknuss herausstellen. Ich kämpfe in Griechenland mit guten Internetverbindungen und kann daher nur schlecht recherchieren. Aber ich kann mich gerne mit dem Feriensport auseinandersetzen. So einiges ist zu beobachten und das oft faul vom Liegestuhl aus. Es gibt auffallend viele Jogger und Joggerinnen, meist am frühen Morgen oder gegen den Abend, welche das Barfusslaufen in leichter Bekleidung geniessen. Ich vermute, dass sich durch die ägäische Gelassenheit und dank der Anonymität mehr Leute laufen als zu Hause. Man fühlt sich nicht unter Zugzwang und Leistungsdruck und es ist egal, wie man aussieht. Windsurfen und Kitesurfen sind angesagt. Es treffen zwei total verschiedene Kulturen aufeinander und sie mögen sich nicht sonderlich. Es geht um klassische Revierkämpfe, respektive ums Wasserterrain. Eigentlich gibt es, wie in der Schweiz auch, Zonen für Kitesurfer. Nur halten sich nicht alle daran und so kommt es gelegentlich zu giftigen Wortwechseln. Surfer beschimpfen Kiter als ahnungslose Autopiloten, die jegliche Vortrittsregeln missachten. Die Surfer waren zuerst auf der Insel und haben sicherlich nicht vor, sich von den Neulingen vertreiben zu lassen. Es erinnert mich etwas an den Machtkampf zwischen den Snowboardern und den Skifahrern. Es geht nicht nur um Raumverteilung, sondern auch um Kulturkampf und Lifestyle. Schliesslich auch um den Sportmarkt. Es gibt mittlerweile Hotelangebote extra für Kiter; mit allem drum und dran. Ich widme mich nun einer uralten Sportart, einer Überlebensmassnahme: dem Schwimmen. Die meisten Leute planschen und baden im Meer und viele Frauen wollen ihrer Frisur zuliebe den Kopf gar nicht erst untertauchen. Es gibt aber auch diejenigen, die mit Schwimmbrille ausgerüstet, weiter ins Meer hinausschwimmen, als ich es mich je mit einer Luftmatratze getrauen würde. Ein irritierendes Erlebnis hatte ich morgens um 5.30 Uhr. Ich konnte nicht mehr schlafen und genoss die morgendliche Ruhe auf dem Balkon. Zwei Frauen preschten im Stechschritt Richtung Pool, bewaffnet mit Handtüchern. Etwas neidisch ab so viel Trainingseifer in den Ferien aber vorwiegend voller Bewunderung, wollte ich den beiden Damen beim Schwimmen zusehen. Es kam anders und ich lernte eine neue Feriensportart kennen. Die beiden haben mit ihren Strandtüchern gefühlte 20 Liegen besetzt und sind dann wieder ins Zimmer geschlendert, da sie uns anderen bereits besiegt hatten und Tempo nicht mehr von Bedeutung war. 

Den Wassersport habe ich abgehandelt aber nicht zu vergessen ist der Pferdesport. Reiten am Strand muss wunderbar sein. Zwar nichts für mich – ich habe zu grossen Respekt vor Pferden. Es gibt aber viele Touristen, die diese Gelegenheit nutzen und in den Ferien zum ersten Mal auf ein Pferd steigen. Meine Schwester spottete, dass ich ja ein Steckenpferd satteln könne. So weit daneben geschossen hat sie nicht und wir diskutierten plötzlich über den grotesken Trendsport «Hobby horsing» für Kinder. Diese stellen vor einer Jury Reitturniere nach und traben in pferdemanier mit ihren Steckenpferden. In Finnland ist das die angesagte «Sportart» für Mädchen zwischen 10 und 18 Jahren. Ganz ehrlich, ich finde das irgendwie unheimlich. Aber ich habe mich bis anhin nicht damit befasst. Ich glaube aber gelesen zu haben, dass es beim «Hobby horsing» um Solidarität und Teamgedanken zwischen den Mädchen und Buben geht. Trotzdem bin ich froh, erlaubten Sie mir mit einem Augenzwinkern den Zynismus, wenn meine Kinder mit 16 Jahren einmal nicht mit dem Steckenpferd am Strand entlang galoppieren.

Die Armee macht es vor

Der Countdown läuft für unsere Schweizer Athle- tinnen und Athleten. Im Februar entflammt das Olympische Feuer in Pyeongchang. Sportbegeisterte wie Sie, liebe Leserinnen und Leser, fiebern begeistert mit und wir alle möchten unsere Wintersportlerinnen und Wintersportler siegen sehen, mit ihnen den Siegestaumel erleben, uns mitreissen lassen, und sei es auch nur vor dem Bildschirm.

Um exzellente Leistungen zu erbringen, trainieren Athletinnen und Athleten mindestens während zehn Jahren zirka 10 000 Stunden. In ihrer leistungsorientierten Welt sind die Ziele klar definiert. Der Tagesablauf wird von Trainingsplänen bestimmt. Privatleben und das bisschen Freizeit werden darum herumgebaut. Im Fokus steht einzig die sportliche Leistung, gemessen an nationalen und internationalen Anlässen.

Traum eines jeden Athleten ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen. Die Schweizer Armee bietet ein optimales Trainingsgefäss und Umfeld für Spitzensportlerinnen und Spitzensportler. Diese müssen vorgängig durch eine harte Selek- tion und ihre Verbände entsen- den nur die besten in die Spitzensport-Rekrutenschule. Aktuell schwitzen 33 Wintersportler und Wintersportlerinnen im Kraftraum und in anderen Trainingsanlagen in Magglingen. Sie sind Sportsoldaten mit dem klaren Ziel: Olympische Spiele. Ihr Auftrag ist es, unsere Nation würdig und ehrenvoll an den Olympischen Spielen und anderen Grossanlässen zu vertreten.

Um ihnen ihr ehrgeiziges Ziel zu ermöglichen, unterstützt sie der Bund, falls sie bereit sind, Militärdienst zu leisten. Dieser hat aber nur noch marginal mit dem klassischen Dienst zu tun. Im Jahr 2016 wurde während 7900 Diensttagen sportartspezifisch trainiert. Selber bin ich in der Sommersaison zusammen mit meinem Partner Alex Reinhard als Konditionstrainerin für Swiss Ice Hockey und den Bund im Einsatz und kann bestätigen, dass das Bundesamt für Sport in Zusammenarbeit mit der Armee ein optimales Trainingsumfeld bietet. Nebst der Infrastruktur und den betreuten Trainingseinheiten, stimmen medizinische, sport- psychologische und die regenerative Unterstützung.

Nicht alle Verbände können ihren Athleten und Athletinnen diese professionelle Unterstüt- zung nach der RS oder dem WK in Magglingen bieten, da oft teils finanzielle Mittel und teils Strukturen fehlen. Kontinuität ist in einer Spitzensportkarriere eminent wichtig und gerade deswegen müssten professionelle Rahmenbedingungen für das Training während des ganzen Jahres greifen. Ja, es kostet etwas und es darf meiner Meinung nach auch etwas kosten. Quali- tät gibt es nicht gratis.

Vorbildlich zeigt sich der Kanton Luzern mit dem Projekt «Unsere Helden – Luzerner Olympia- und Topsportler- team». Die ausgewählten Sportlerinnen und Sportler kriegen finanziellen und ideellen Support, um sie auf ihrem olympischen Weg zu begleiten. Das Geld fliesst aus dem Lotteriefonds von Swisslos. Der Kanton Luzern ist sich der Vorbildfunktion von Sportlerinnen und

Sportlern bewusst. So nimmt er die Unterstützten als Botschafter und Repräsentant für den Sport in die Pflicht. Sie setzen sich für den Breiten- und Gesundheitssport, den Schul- sport, etc. ein. Der Kanton Ba- sel-Landschaft unterstützt ebenfalls potentielle Olympia- kandidaten- und kandidatin- nen. Wer eine realistische Chance für eine Teilnahme hat, wird finanziell unterstützt.

Ich würde mich freuen, wenn der Kanton Bern sich konsequenter für den Sport einsetzen würde und ähnliche Konzepte wie die beiden erwähnten Kan- tone ins Auge fassen würde. Natürlich muss primär der Breitensport gefördert und finanziert werden. Aber die Spitze darf nicht untergehen. Diese hat nämlich eine grosse Ausstrahlung auf den Breitensport.

Wunderbare Tatsache

ägliche Bewegung ist für mich selbstverständlich, liebe Leserinnen und lie- be Leser. Wunderbar ist die Tatsache, dass sich wieder mehr Menschen bewegen und Sport treiben. Mit einem Augenzwinkern stelle ich fest, dass der Fitnesswahn ausgebrochen ist. Im- mer mehr Leute rackern sich auf öffentlichen Geländen, Fussballfeldern und Parks mit Liegestützen, Klimmzügen und hochintensiven Sprints ab. Einige schleifen einen Autopneu hinter sich nach, andere kriechen auf dem Boden herum. Mit wildem, Biels Stadtpräsident Erich Fehr zeigt gegen einen SCB-Nachwuchsspieler, dass er als ex-EHC-Biel-Juniorentrainer immer noch Eishockey spielen kann. Links beobachtet der frühere Eiskunstläufer Stéphane Lambiel den Zweikampf. Matthias Käser autoritärem Geschrei werden die Akteure weiter gedrillt. Bootcamps schiessen wie Pilze aus dem Boden – einfach nur Fuss- ball oder Boggia spielen findet weniger Anklang. Kürzlich ist mir in einer Kolumne folgende Aussage ins Auge gestochen:

«Bald steht niemand mehr im Tor. Lieber hängen alle daran und machen Klimmzüge.»

Fitnesscenter boomen und dem Körperkult wird gefrönt wie noch nie. Wollten Frauen vor einigen Jahren spindeldürr sein, wünschen sie sich heute stahlharte Pobacken, ein Sixpack und einen dicken Biceps. Es geht sel- ten um Gesundheit oder sportliches Vergnügen, sondern um Ästhetik, respektive das Gutaussehen. Gestählte, definierte Muskeln scheinen aktuell für Frau das Mass aller Dinge zu sein. Mann musste schon immer muskelbepackt sein, damit er dem gesellschaftlichen Bild des starken, erfolgreichen Typs angehört. Um diesem Trend gerecht zu werden, sind viele bereit, sich stundenlang sportlich zu betätigen. Am Mittag wird nicht mehr gegessen, sondern ein Low Carb Shake geschlürft. Natürlich wird auch deftig supplementiert; von Magnesium über Multivitamine, Proteine bis hin zu Anabolika steht fast alles auf dem Ernährungsplan – das freut die Kraftfutterindustrie. Ganz ehrlich, kaum jemand ausser Spitzensportlerinnen und Spitzensportler benötigen eine so ausgeprägte Muskulatur, geschweige denn ist es für Freizeitsportler bei vernünftigem Essverhalten nötig, zu supplementieren. Hauptmotivation, um sich zu bewegen, scheint oft nicht primär der ge- sunde Lebensstil zu sein, son- dern das fitte Aussehen, respek- tive die Selbstoptimierung des persönlichen Egos.

Es gehört zum guten Image, dass man Sport treibt und davon spricht, sei das auf sozialen Medien oder beim Bewerbungsgespräch. Soziologen sprechen davon, dass sich jeder nur noch mit sich selbst beschäftigt und der ursprüngliche, sportliche Gedanke ( beispielsweise zusammen spielen, Aktivität zum Vergnügen betreiben, wett- eifern, etc.) verloren geht. Muskeln spürt man wachsen, nicht aber die Distanz zu den Mit- menschen oder dem tatsächlichen, stressfreien körperlichen und psychischen Wohlbefinden. Der Fitnesswahn ist Ausdruck eines falschen Ideals. Sicherlich habe ich ein überspitztes Phänomen beschrieben und persönlich finde ich es hervorragend, dass sich immer mehr Menschen bewegen und so vom positiven Effekt des Sports profitieren.

Ich zolle Wiedereinsteigern grössten Respekt. Hoffentlich sind die Motivationsgründe vorwiegend Freude an Bewegung, Spiel, Sport und Gesundheit und nicht ausschliesslich die oberflächliche Projektionsfläche des Körpers. Ganz ehrlich, auch ich bin natürlich nicht nur sportlich edel in Gedanken…auch ich schwitze des fitten Aussehens wegen, aber zum Glück vorwiegend aus Freude und weil ich den schönsten Beruf auf der Welt habe: Sportlehrerin und Trainerin.

Danke, liebe Kinder- und Jugendtrainer

Während der Adventszeit wird es für Eishockey-Trainer oft brenzlig und gar nicht gemütlich. Vor Weihnachten wird eine erste Bilanz gezogen. Hat die Mannschaft in der ersten Phase zu wenig Leistung erbracht, muss meist der Kopf der Mannschaft, also der Trainer, seinen Platz räumen. Kevin Schläpfer ist das prominenteste Opfer dieser Saison. Und es werden wohl weitere Köpfe rollen. Das Geschäft im Spitzensport ist knallhart und die Trainer müssen sich ein dickes Fell zulegen, um mit solchen Situationen umgehen zu können. Stimmt hingegen die Leistung, stehen sie auf der Sonnenseite, werden von Fans und Medien zelebriert und die meisten geniessen das auch, ja brauchen das Rampenlicht. Doch für wie lange? Ich habe grössten Respekt vor dem Beruf «Profitrainer».

Liebe Leserinnen und Leser, ich habe genug Worte über den Profisport in der besinnlichen Zeit verloren und möchte mich ganz herzlich bedanken; und zwar bei allen sportbegeisterten Leitern und Trainerinnen, ganz besonders bei denen, die wöchentlich oder gar täglich ehrenamtlich unseren Kindern und Jugendlichen die Faszination an Bewe- gung, Spiel und Sport vermitteln. Ohne sie hätte der Sport in der Schweiz nicht ein so gutes Image. Sie sind die echten Stars im Sport. Sie üben zwar nicht den Beruf «Profitrainer» aus und stehen dementsprechend nicht unter dem enormen Leistungsdruck. Auch interessieren sich die Medien kaum für Nachwuchstrainer. Ihre Berufung ist es, die Kinder und Jugendlichen für den Sport und die Sportkultur zu begeistern und diese breit auszubilden. Dank ihnen konnten in einem Jahr fast 70 000 Jugend und Sport- Kurse und Lager durchgeführt werden und circa 940 000 Kinder und Jugendliche durften sich sportlich und spielerisch betätigen. Selten stehen die Trainer im Rampenlicht und sind trotzdem immer wieder motiviert, Trainings zu leiten. Einige verzichten auf Ferienzeit und begleiten dafür die Jugendlichen ins Trainingslager. Auch die persönliche Weiterbildung steht hoch im Kurs, meist nutzen die Übungsleiter

Fortbildungsmodule von Jugend und Sport und lösen durch ihre anerkannte Leiterausbildung so Geld für ihren Verein aus. Längst nicht jedem sportlichen Kind gelingt der steinige Weg an die Spitze, aber hinter jedem Spitzensportler stehen auch Jugend- trainer. Sie haben mit ihm die ersten Siege gefeiert, aber auch die ersten Tränen getrocknet. Der Umgang mit Sieg und Niederlage muss nämlich erst erlernt werden. Sportliche und spielerische Ausbildung sind eine facettenreiche Lebensschule und so kommt es nicht von ungefähr, dass der Artikel 31 der UN-Kinderrechtskonvention auf das Recht für Kinder zum Spielen plä- diert. Von Natur aus wollen Kinder spielen und sich bewegen. In der heutigen Zeit gelingt es nicht allen Eltern, ihren Kindern Bewegung und Spiel zu bieten. Umso mehr müssen wir die Angebote von Jugend und Sport, Schule, Pfadi und so weiter würdigen. Freiwilligenarbeit, respektive die Ehrenamtlichkeit, bilden das Fundament des Sportes und haben grössten Respekt und tiefe Anerken- nung verdient. Es freut mich, dass so viele freiwillig, voller Zufriedenheit, Freude und Überzeugung den Sport und die Bewegung transportieren.

Make America great again?

Unerträglich inhaltslos und «voll auf Mann» dümpelte der US-Wahlkampf dahin. Mit diesem erstaunlichen Ausgang hat jedoch kaum jemand gerechnet – ich jedenfalls habe mich gewaltig «trumpiert» und bin noch immer sprachlos. Was hat dieser Wahl- kampf aber mit Sport zu tun? Eine ganze Menge, liebe Leserinnen und Leser. Der Wahlkampf ähnelte einem Box- kampf, nur leider ohne Ringrichter. Variantenreiche Tiefschläge und Spucken waren erlaubt. Nebenbei erwähnt… Ausgerechnet der farbige Mike Tyson hat sich zu Trump bekannt. Wahrscheinlich hat er während seiner Karriere ein paar Schläge zu viel einstecken müssen, um noch klar denken zu können. Trump hat sich bekanntlich vorwiegend rassistisch und fremdenfeindlich geäussert.

Sowohl Clinton als auch Trump haben sich mit prominenten Sportlerinnen und Sportlern in Szene gesetzt, Clinton stiess, sportlich gesehen, auf mehr Sympathie, vorwiegend im Basketball, im Fussball, in der Leichtathletik und im Tennis. American Football und Baseball haben sich mit einer knappen Mehrheit auf Trumps Seite geschlagen. Wenig überraschend stellten sich viele Athletinnen hinter die Sozialdemokratin, nachdem Trump mit seinen äusserst vulgären Beleidigungen (an- geblichen «Garderobengesprächen») wohl alle Frauen mit einem Quäntchen Selbstachtung vor Wut schäumen liess. Die legendäre Tennisspielerin Martina Navratilova hat noch nie ein Blatt vor den Mund genommen und twitterte:

«I knew America was racist but not this much. And I had no idea America was this sexist. Shame on us…»

Le Velle Moton, ehemaliger Basketballstar und heute Trainer der North Carolina Central University, liess verlauten, dass er sich bereits als Fünfjähriger regelmässig in Umkleidekabinen aufhielt und dass Trumps Aussagen nicht das Geringste mit Garderobengesprächen unter Männern zu tun habe, sondern schlicht sexuelle Belästigung sei. In den USA äussern sich generell mehr Menschen aus dem Sport zu politischen und gesellschaftlichen Ereignissen als in der Schweiz. In die Geschichte eingegangen sind die Sprinter Tommie Smith und John Carlos ein. Während der Siegerehrung streckten der Olympiasieger und der Drittplatzierte die schwarz behandschuhte Faust in die Luft und symbolisierten damit ihren Protest gegenüber der unmenschlichen Diskriminierung der afroamerikanischen Bevölkerung. Am gleichen Tag wurden sie für ihre Zivilcourage bestraft und mussten das olympische Dorf verlassen.

Noch nie haben sich so viele Athleten und Athletinnen zu den Wahlen geäussert. Sie nutzen ihre Vorbildfunktion und übernehmen politische Verantwortung. Der Sport hat in den USA durchaus eine politische Meinung. Auch einige Schweizer Sportler, die in den USA leben, haben sich zu den Wahlen geäussert. Xeno Müller (Ruderolympiasieger) und Thabo Sefolosha (Basketballprofi) haben sich klar für Clinton ausgesprochen und zwar weil Trump unter anderem für den Sport einfach nur eine Schande darstellt. Xeno Müller pfeift auch auf die angekündigten Steuererleichterungen. Gier, Hass, Rassismus und Sexismus gehören nicht zu den Idealen des Sports. Von einem weiteren Leader, aus einer sogenannt «toughen» Sportart, wünschte ich mir ebenso ein gesellschaftliches Engagement und eine Meinung zu wichtigen Themen, egal wie sie ausfällt. Mindestens hätte der NHL- Spieler Mark Streit den Mut aufbringen müssen, diese kund zu tun. Mit einer fadenscheinigen Erklärung hat er sich meinungslos aus dem Staub gemacht. Schade. Liebe Leserinnen und Leser, Sport und Politik sind nicht voneinander zu trennen. Sport kann eine unglaublich starke Rolle in der Politik einnehmen, und wenn man nur einen klei- nen Teil der sportlichen Ideale einbringen kann, verbessert er die Welt ein kleines bisschen.

Kinder sollten Schwimmen lernen

Sind sie ein leidenschaftlicher Schwimmer? Diese beliebte Sportart gehört, nebst Radfahren und Wandern, zu den Beliebtesten in der Schweiz. Auch Jugendliche und Kinder lieben das Schwimmen. Mit dieser durchaus gesunden und sportlichen Fertigkeit trainieren sie Ausdauer, Kraft, Mobilität und natürlich ihre motorischen Fähigkeiten. Sie schützen sich aber auch vor dem Ertrinken. Nichtsdestotrotz verzeichnete die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) zwischen 2004 und 2015 weit über 400 Todesfälle durch Ertrinken; meist in offenen Gewässern wie Seen und Flüssen. Bei Kindern bis 14 Jahre ist es gar die zweithäufigste unfallbedingte Todesursache. Wer es als Kind verpasst, sich im Element Wasser sicher zu bewegen, wird als Erwachsener das Wasser eher meiden – was sehr schade ist. Das Wasserschloss Schweiz ist mit seinen sauberen Seen und Flüssen absolut einmalig.

Ich finde es grossartig, dass der Kanton Bern Schwimmen fix im Lehrplan auf der Volksschulstufe integriert. Das soll nicht heissen, dass sich die Eltern aus der Verantwortung schleichen können. Primär ist es ihre Aufgabe, dass ihr Kind schwimmen lernt. Das gilt auch für Eltern mit anderem kulturellem Hintergrund. Die Schule leistet gerne einen Beitrag dazu. Ich habe als Turnlehrerin öfters erlebt, dass vorwiegend Mädchen oder junge Frauen mit muslimischen Wurzeln oder auch Kinder aus fundamental christlichen Kreisen nicht schwimmen können, da es ihnen nicht gestattet ist, eine Badeanstalt zu besuchen.

Für mich zweifelsohne kein Grund, sie vom obligatorischen Schwimmunterricht zu dispen- sieren. Ganz im Gegenteil. Sie sollen die Chance kriegen, wie alle anderen Kinder und Jugendliche, schwimmen zu lernen und sich im Wasser wohl zu fühlen. Selbstverständlich dürfen sie einen Ganzkörperschwimman- zug (Burkini) tragen! Es ist wichtig, dass alles daran gesetzt wird, jedem Schulkind der Primarstufe Bewegungserfahrungen im Wasser zu ermöglichen.

Seit zwei Jahren müssen im Kanton Bern alle Schülerinnen und Schüler bis Ende des 4. Schuljahres den Wasser Sicher- heits- Check (WSC) absolviert haben und kriegen bei Erfolg einen Ausweis. Bei Nichtbestehen werden die Eltern infor- miert und die betroffenen Kinder haben die Möglichkeit, mittels spezifischen Schwimmkursen bis Ende des 6. Schuljahres den WSC zu erlangen. Wie schon erwähnt, zeigt sich der Kanton Bern mit seinen Absichten sehr fortschrittlich. Leider ist es nach wie vor Realität, dass ein Gross- teil aller Primarschülerinnen- und schüler nicht in den Genuss des obligatorischen Schwimmunterrichtes kommen. Wir haben zu wenig Schwimmgelegenheiten, respektive Hallenbäder. Es ist dringend nötig, dass wir in einigen Regionen Hallenbäder bauen können oder die bestehenden besser auslasten dürfen. In Ferienorten können teilweise Hotelbäder zu Randstunden genutzt werden. Mir ist auch klar, dass dieses Unterfangen hohe Kosten verursachen wird.

Es braucht nicht nur neue Bä- der, sondern auch ein paar kreative Ideen, wie beispielsweise die bestehenden Bäder optimal genutzt werden können. Ich bin gespannt, wie der Kanton Bern das Problem angehen wird. Ich schliesse mit einem Zitat des Physikers und Philosophen Isaac Newton: «Denn wer schwimmen will, muss zu den Flüssen gehen». Ich würde in unserer Sachlage und doch einige Jährchen nach Newtons Zeit, anstelle der nicht ganz ungefährlichen Flüssen wohl eher zu Bäder tendieren…

Sport als Promotionsfach

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Körperliche und geistige Ausbildung leisten einen wichtigen Beitrag zur ganzheitlichen, persönlichen Entwicklung. Das wussten schon die alten Griechen. So wurde am Gymnasion charakterliche und intellektuelle Erziehung betrieben, vorwiegend geprägt von körperlicher Ertüchtigung. Leider durften sich Frauen damals im Gymnasion nicht blicken lassen und das nicht, weil die Männer nackt trainierten, sondern aus soziokulturellen Gründen. Glücklicherweise müssen wir im Sportunterricht nicht gegen ein solch antikes Relikt kämpfen, aber eben um ein ganz anderes. In den Gymnasien im Kanton Bern zählt Sport nicht zu den notenrelevanten Fächern und nimmt eine untergeordnete Rolle ein. Bildnerisches Gestalten oder Musik werden bewertet, was selbstverständlich korrekt ist und einem breit angelegten Bildungsverständnis dient. Sport muss logischerweise gleichermassen aufgewertet werden.

Der Kanton Bern zeigt hier ein altmodisches Auftreten (da waren gar die alten Griechen fortschrittlicher) . Viele andere Kantone haben dem Sport längst den legitimen Stellenwert gegeben und benoten diesen. Zusammen mit meinen Kollegen aus dem parlamentarischen Sportrat haben ich einen Vorstoss eingereicht, welcher die Regierung auffordert, im Gymnasium das Fach Sport als Promotionsfach zu gewichten; zwar ist diese bereit, unser Anliegen zu prüfen, doch ihre Antwort lässt nicht viel Hoffnung aufflammen. Sie argumentiert beispielsweise, dass mit einem weiteren Promotionsfach noch besser ungenügende Leistungen in Sprachen oder Mathematik kompensiert werden können, oder dass die Freude wegen des Notendruckes am Sport verloren gehen könnte. Für mich schwächeln beide Argumente. Die Kompensationsfrage betrifft alle Fächer gleich stark und sollen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Es ist nämlich auch nicht klar, welche Fächer für die Studierfähigkeit tatsächlich relevant sind. Das kommt auf die Studienrichtung an. Ebenfalls wird unterschätzt, dass der Sport durchaus einen wissenschaftlichen Charakter aufzeigt und eines der wenigen Unterrichtsfächer ist, wo kompetenzorientiertes Wissen vermittelt wird. Am eigenen Körper erfährt man zum Beispiel beim Schwingen an den Ringen potentielle und kinetische Energie oder man begreift beim Speerwerfen den schiefen Wurf. Das ist angewandte Physik pur. Ebenfalls lässt sich das zweite Argument der Regierung entkräften. Ziel ist nicht, wie unterstellt, in erster Linie Freude an der Bewegung zu vermitteln, sondern Inhalte. Körperliche, kognitive, gesundheitliche aber auch sozialkompetente Inhalte definieren den Sportunterricht und beeinflussen die Studierfähigkeit sicherlich positiv. Wenn die Regierung ihren Auftrag zuverlässig wahrnimmt, erkennt sie unmissverständlich, dass der grösste Teil der Sportlehrkräfte eine Aufwertung des Sportes begrüsst und die Gymnasiaten und Gymnasiastinnen durchaus bereit sind, im Sport einen Leistungsausweis zu erhalten. Ich schliesse mit einem „Mens sana in corpore sano“.