Make America great again?

Unerträglich inhaltslos und «voll auf Mann» dümpelte der US-Wahlkampf dahin. Mit diesem erstaunlichen Ausgang hat jedoch kaum jemand gerechnet – ich jedenfalls habe mich gewaltig «trumpiert» und bin noch immer sprachlos. Was hat dieser Wahl- kampf aber mit Sport zu tun? Eine ganze Menge, liebe Leserinnen und Leser. Der Wahlkampf ähnelte einem Box- kampf, nur leider ohne Ringrichter. Variantenreiche Tiefschläge und Spucken waren erlaubt. Nebenbei erwähnt… Ausgerechnet der farbige Mike Tyson hat sich zu Trump bekannt. Wahrscheinlich hat er während seiner Karriere ein paar Schläge zu viel einstecken müssen, um noch klar denken zu können. Trump hat sich bekanntlich vorwiegend rassistisch und fremdenfeindlich geäussert.

Sowohl Clinton als auch Trump haben sich mit prominenten Sportlerinnen und Sportlern in Szene gesetzt, Clinton stiess, sportlich gesehen, auf mehr Sympathie, vorwiegend im Basketball, im Fussball, in der Leichtathletik und im Tennis. American Football und Baseball haben sich mit einer knappen Mehrheit auf Trumps Seite geschlagen. Wenig überraschend stellten sich viele Athletinnen hinter die Sozialdemokratin, nachdem Trump mit seinen äusserst vulgären Beleidigungen (an- geblichen «Garderobengesprächen») wohl alle Frauen mit einem Quäntchen Selbstachtung vor Wut schäumen liess. Die legendäre Tennisspielerin Martina Navratilova hat noch nie ein Blatt vor den Mund genommen und twitterte:

«I knew America was racist but not this much. And I had no idea America was this sexist. Shame on us…»

Le Velle Moton, ehemaliger Basketballstar und heute Trainer der North Carolina Central University, liess verlauten, dass er sich bereits als Fünfjähriger regelmässig in Umkleidekabinen aufhielt und dass Trumps Aussagen nicht das Geringste mit Garderobengesprächen unter Männern zu tun habe, sondern schlicht sexuelle Belästigung sei. In den USA äussern sich generell mehr Menschen aus dem Sport zu politischen und gesellschaftlichen Ereignissen als in der Schweiz. In die Geschichte eingegangen sind die Sprinter Tommie Smith und John Carlos ein. Während der Siegerehrung streckten der Olympiasieger und der Drittplatzierte die schwarz behandschuhte Faust in die Luft und symbolisierten damit ihren Protest gegenüber der unmenschlichen Diskriminierung der afroamerikanischen Bevölkerung. Am gleichen Tag wurden sie für ihre Zivilcourage bestraft und mussten das olympische Dorf verlassen.

Noch nie haben sich so viele Athleten und Athletinnen zu den Wahlen geäussert. Sie nutzen ihre Vorbildfunktion und übernehmen politische Verantwortung. Der Sport hat in den USA durchaus eine politische Meinung. Auch einige Schweizer Sportler, die in den USA leben, haben sich zu den Wahlen geäussert. Xeno Müller (Ruderolympiasieger) und Thabo Sefolosha (Basketballprofi) haben sich klar für Clinton ausgesprochen und zwar weil Trump unter anderem für den Sport einfach nur eine Schande darstellt. Xeno Müller pfeift auch auf die angekündigten Steuererleichterungen. Gier, Hass, Rassismus und Sexismus gehören nicht zu den Idealen des Sports. Von einem weiteren Leader, aus einer sogenannt «toughen» Sportart, wünschte ich mir ebenso ein gesellschaftliches Engagement und eine Meinung zu wichtigen Themen, egal wie sie ausfällt. Mindestens hätte der NHL- Spieler Mark Streit den Mut aufbringen müssen, diese kund zu tun. Mit einer fadenscheinigen Erklärung hat er sich meinungslos aus dem Staub gemacht. Schade. Liebe Leserinnen und Leser, Sport und Politik sind nicht voneinander zu trennen. Sport kann eine unglaublich starke Rolle in der Politik einnehmen, und wenn man nur einen klei- nen Teil der sportlichen Ideale einbringen kann, verbessert er die Welt ein kleines bisschen.

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