Sport als Promotionsfach

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Körperliche und geistige Ausbildung leisten einen wichtigen Beitrag zur ganzheitlichen, persönlichen Entwicklung. Das wussten schon die alten Griechen. So wurde am Gymnasion charakterliche und intellektuelle Erziehung betrieben, vorwiegend geprägt von körperlicher Ertüchtigung. Leider durften sich Frauen damals im Gymnasion nicht blicken lassen und das nicht, weil die Männer nackt trainierten, sondern aus soziokulturellen Gründen. Glücklicherweise müssen wir im Sportunterricht nicht gegen ein solch antikes Relikt kämpfen, aber eben um ein ganz anderes. In den Gymnasien im Kanton Bern zählt Sport nicht zu den notenrelevanten Fächern und nimmt eine untergeordnete Rolle ein. Bildnerisches Gestalten oder Musik werden bewertet, was selbstverständlich korrekt ist und einem breit angelegten Bildungsverständnis dient. Sport muss logischerweise gleichermassen aufgewertet werden.

Der Kanton Bern zeigt hier ein altmodisches Auftreten (da waren gar die alten Griechen fortschrittlicher) . Viele andere Kantone haben dem Sport längst den legitimen Stellenwert gegeben und benoten diesen. Zusammen mit meinen Kollegen aus dem parlamentarischen Sportrat haben ich einen Vorstoss eingereicht, welcher die Regierung auffordert, im Gymnasium das Fach Sport als Promotionsfach zu gewichten; zwar ist diese bereit, unser Anliegen zu prüfen, doch ihre Antwort lässt nicht viel Hoffnung aufflammen. Sie argumentiert beispielsweise, dass mit einem weiteren Promotionsfach noch besser ungenügende Leistungen in Sprachen oder Mathematik kompensiert werden können, oder dass die Freude wegen des Notendruckes am Sport verloren gehen könnte. Für mich schwächeln beide Argumente. Die Kompensationsfrage betrifft alle Fächer gleich stark und sollen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Es ist nämlich auch nicht klar, welche Fächer für die Studierfähigkeit tatsächlich relevant sind. Das kommt auf die Studienrichtung an. Ebenfalls wird unterschätzt, dass der Sport durchaus einen wissenschaftlichen Charakter aufzeigt und eines der wenigen Unterrichtsfächer ist, wo kompetenzorientiertes Wissen vermittelt wird. Am eigenen Körper erfährt man zum Beispiel beim Schwingen an den Ringen potentielle und kinetische Energie oder man begreift beim Speerwerfen den schiefen Wurf. Das ist angewandte Physik pur. Ebenfalls lässt sich das zweite Argument der Regierung entkräften. Ziel ist nicht, wie unterstellt, in erster Linie Freude an der Bewegung zu vermitteln, sondern Inhalte. Körperliche, kognitive, gesundheitliche aber auch sozialkompetente Inhalte definieren den Sportunterricht und beeinflussen die Studierfähigkeit sicherlich positiv. Wenn die Regierung ihren Auftrag zuverlässig wahrnimmt, erkennt sie unmissverständlich, dass der grösste Teil der Sportlehrkräfte eine Aufwertung des Sportes begrüsst und die Gymnasiaten und Gymnasiastinnen durchaus bereit sind, im Sport einen Leistungsausweis zu erhalten. Ich schliesse mit einem „Mens sana in corpore sano“.

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