Unlängst hat das Bundesamt für Sport (BASPO) erfreulich aufgezeigt, dass sich Schweizerinnen und Schweizer in ihrem Sport- und Bewegungsverhalten gesteigert haben. und sogar Geschlechter- und Altersunterschiede sind weitgehend verschwunden. Es treten kaum mehr altbackene Stereotype auf wie: Frauen gehen zum Yoga und Männer zum Fussball. Der Motor der durchaus gewünschten Sportlichkeit sind Frauen und Senioren. Sie liebe Leserinnen und Leser sind bis ins hohe Alter auf Wanderwegen, im Krafttraining, beim Schwimmen oder gar in einem Verein anzutreffen. Das Sport- und Bewegungsverhalten ist immer auch Abbild der Gesellschaft und ihrer Wohlfahrt. So klafft nach wie vor ein Graben zwischen der Sportaktivität der Schweizer Bevölkerung und der Mehrheit jener in der Schweiz lebender Ausländerinnen und Ausländer. Vorwiegend junge Frauen mit Migrationshintergrund bewegen sich weniger.

Die Schweiz tut sich in der Integration bekanntlich ziemlich schwer, obschon wir geeignete Mittel dazu hätten.

Sport ist für die körperliche, psychische und soziale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen ein wahrlich effizientes Mittel. Die Integration wird erwiesenermassen deutlich erleichtert. Insbesondere bei Mädchen und jungen Frauen sollten wir diese Lücke auch noch schliessen - weil wir es können! Bis vor kurzem konnte man die integrative Wirkung von Sport und Bewegung beispielsweise in Afghanistan erleben. Mädchen und Frauen haben in der Zeitspanne zwischen 2004-2021 eine unglaubliche Entwicklung durchlaufen, da sie endlich wieder mehr Freiheiten erhalten haben; auch den Zugang zu Bildung und Sport. Mit gestärktem Vertrauen konnten sie sich vermehrt einbringen und haben am gesellschaftlichen Leben Teil genommen. Ja, sie haben gar Sportlerinnen an internationalen Wettkämpfen gestellt. Groteskerweise trug bei der olympischen Eröffnungsfeier in Tokio Kamia Yousufi als erste Frau die Fahne ihres Landes. Umso brutaler, dass genau zu diesem Zeitpunkt den Frauen der Sport entrissen wurde. Die Turnhose ist mit einem Schleier eingetauscht worden. Die Tränen der mutigen Mädchen und Frauen sind versteckt. Die stolze Errungenschaft wird mit Füssen getreten und als nicht notwendig deklariert. Die Taliban kündigen an, dass ein vernünftiger, islamischer Lehrplan mit nationalen und historischen Werten ausgearbeitet wird. Dieser schrammt an allen Menschenrechten und auch dem Recht auf Bewegung und Sport vorbei. Klaus Stärk, ehemaliger Trainer und Entwicklungshelfer im afghanischen Frauenfussball, erklärt unverblümt, dass die Fortschritte von einem auf den anderen Tag ausgelöscht worden sind und die nicht mehr unsichtbaren Frauen in der Gesellschaft erneut unterdrückt werden. Liebe Leserinnen und Leser- Sport kann mobilisieren, bilden, eine Gesellschaft prägen und vieles mehr. Können die mutigen Sportlerinnen vielleicht dank ihrem Hintergrund den Weg in die Freiheit finden? Ich wünsche es mir sehr. Shabnan Ruhin, die ehemalige Nationalspielerin, erklärte kürzlich sehr emotional, dass die afghanische Frauenfussball-Nationalmannschaft Symbol für Frauenrechte gegen Unterdrückung und für ein modernes Afghanistan stehe. Seit der terroristischen Machtübernahme durch die Taliban fürchten die Spielerinnen aber um ihr Leben. In letzter Minute ist den Spielerinnen die Flucht aus Kabul gelungen. Wenig ruhmreich und sportlich hat sich die FIFA verhalten; so hat diese erst nach starkem, medialen Druck mitgeholfen, teils noch minderjährige Frauen zu evakuieren. Die Rettung ist vorwiegend unerschrockenen und entschlossenen ehemaligen Spielerinnen und Betreuern der Spielergewerkschaft zu verdanken. Die Community des Sportes hat ohne „Wenn und Aber“ geholfen. Hier hat der Sport seine integrative Wirkung bemerkenswert dargestellt. Im Gegensatz zum kriegsbelasteten Afghanistan haben wir alle Möglichkeiten Sport zu treiben und diesen für alle zugänglich zu machen. Wir leben in einem freien, demokratischen Land. Tun wir das auch für die 17-19-jährigen Frauen, von denen lediglich noch knapp 20% die Bewegungsempfehlungen einhalten. Dies sind meist junge Frauen aus weniger privilegierten Familien und oft mit Migrationshintergrund. Geben wir auch ihnen die wichtige Chance auf Sport und Bewegung. Vielleicht einfach auch, um die Welt in einem sehr bevorteilten Land noch etwas zu verbessern. Ich schliesse mit einem Zitat einer geflüchteten Sportlerin aus Afghanistan, das mich sehr betroffen gemacht hat. Sie war gezwungen mit anderen Spielerinnen sich schnell zu organisieren und eine Taktik zur Flucht zurecht zu legen und ihr Land hinter sich zu lassen, um zu überleben:

„Unterschätzen sie niemals die Macht von einer Gruppe Fussballerinnen mit Smartphones.“ Es war der Weg in die Freiheit. Ein hoch bezahlter Preis...