Eine Schocknachricht jagt die Nächste, liebe Leserinnen und Leser. COVID-19 breitet sich unkontrolliert aus, auch wenn teils die Politik etwas anderes zu behaupten versucht. In diesem Zusammenhang haben sie sicher mitbekommen, dass Regierungsrat Pierre Alain Schnegg gegenüber dem Spitzensport und dem ambitionierten Amateursport einen äusserst unpopulären Entscheid mit seiner Tausenderregelung getroffen hat und diesen empfindlich geschwächt hat. Herr Schnegg ist auch von mir hart gerügt worden. Ich möchte mich erklären: Ich unterstütze ein Herunterfahren von Kontakten und es ist klar, dass die Politik besser früher reagiert hätte. Was ich erwarte, ist eine klare Haltung vom Bundesrat. Wieso dieser in den desaströsen Wochen weiterhin Zeit verplempert ist unerklärlich und es hilft letzlich auch dem Sport in all seiner Breite nicht. Weder gesellschaftlich noch wirtschaftlich und auch nicht gesundheitlich.

Die Entscheidung von Regierungsrat Schnegg war nicht mutig, sondern planlos und anstandslos.

Er hat es verpasst, den Betroffenen mit Respekt zu begegnen, ihnen die Möglichkeit zur Planungssicherheit zu gewähren – gerade in dieser schweren Zeit, ist der Austausch enorm wichtig. Die stramme Gangart, die Regierungsrat Schnegg gegenüber dem strukturrelevanten und Wirtschaftstreiber Spitzensport angelegt hat, zeigt wenig Fingerspitzengefühl. In Krisenzeiten muss man Menschen an Bord holen und nicht frontal attackieren, da mag der Entscheid noch so mutig scheinen. Dem entsprechend kam die harsche Reaktion von zahlreichen Sportaffinen. Ein föderalistischer Alleingang wider den lobenden Voten des Bundesrates gegenüber der Umsetzung der Schutzkonzepte im Sport grenzt an Zynismus. Die Clubs hätten früher informiert werden müssen und zusammen mit dem Dachverband Bern Sport und Sportpolitikerinnen und -politikern hätte man einen gangbaren und fairen Weg gefunden. Insbesondere da jetzt klar ist, dass die Schweizer COVID-19 Task Force lange vorher von einem derartigen Szenario gewarnt hat, ist völlig unverständlich, wieso man die Spitzenclubs ins Messer hat laufen lassen.

Das Vorgehen war schlicht naiv und der Sport mit seiner populären Ausstrahlung ist deftig unterschätzt worden.

Innert Kürze hat sich eine Solidaritätswelle ausgebreitet und dabei ist fast untergangen, dass wohl die meisten hinter einer Reduktion von Menschenansammlungen stehen; aber nicht mittels eines planlosen Entscheides, welcher suggeriert, dass Spitzenclubs im Kanton Bern quasi die Superspreader der Nation sind. Fans wollen nicht für dumm und verantwortungslos verkauft werden. Die Sportbranche ist finanziell eine gewichtige Branche. Unsere Berner-Aushängeschilder sind eben eine Herzensangelegenheit und Idole für unseren Nachwuchs. Regelmässig brüstet sich die Regierung mit den Topresultaten unseres Sportkantons; jetzt gilt es den Spitzensport zu retten. Zuerst kommt die Gesundheit der Gesellschaft und da muss und wird der Sport Verantwortung mittragen. Jetzt muss Klartext gesprochen werden! Hilft unsere Exekutive aber auch den Sport und damit zahlreiche Kleinverdiener zu retten? Anstelle diesen zu vertrösten, dass die Ampel vielleicht bald wieder auf grün geschaltet werden kann, braucht es jetzt endlich Planungssicherheit für die Wirtschaft. Wie wird die Zukunft von den Wissenschaftlern eingeschätzt? Was sagt die Task Force hinter geschlossenen Türen? Was verschweigt der Bundesrat? Besser jetzt die harte Wahrheit, als die Gesellschaft ständig mit Halbwahrheiten zu vertrösten. In Krisenzeiten sind spezielle, mutige und ungeliebte aber rasche, evidenzbasierte, harte und faire Entscheide zu treffen. Dann kann die Verordnung angepasst werden, um auch unsere Sportclubs zu retten. Gibt es vorhandenes Geld für die Swiss, gibt es auch Geld für den EHC Biel.